To Rome with Love, von Francesco Totti


- 22.1.2026
Francesco Tottis glänzende Spielführung brachte ihm im Laufe seiner über zwanzigjährigen Karriere zahlreiche Spitznamen ein. Doch nur "Il Gladiatore" bringt seine wahrhafte Loyalität auf den Punkt: Schließlich sind wahre Krieger immer mit ihrer Herkunft verbunden. In seiner illustren Profikarriere war der offensive Mittelfeldspieler ausschließlich bei seinem Heimatverein AS Rom, wo er auch die Stellung eines kreativen Genies innehatte. Diese Loyalität zur Heimat ist in der modernen Sportwelt nur noch selten zu finden. Für den heute 49-Jährigen ist die Verbundenheit zu Rom noch genauso wichtig wie vor 33 Jahren, als er zum ersten Mal im Stadio Olimpico auflief. Hier erzählt Francesco unter anderem von seiner Verpflichtung gegenüber Rom und geht der Frage nach, ob Kreativität auf dem Spielfeld angeboren oder erlernt ist.
Deine Heimatstadt prägt dich mit all ihren Aspekten. Rom bietet viel: Vergnügen, Schönheit, Sonne, Meer und Berge – also eigentlich alles. Und natürlich die Menschen. Roms Leidenschaft für Fußball ist einzigartig. Die Menschen lieben Fußball inbrünstig und würden alles für das Team tun. Als Rom-Fan geht es nicht anders: Man liebt das Spiel heiß und innig.
Spielen ist das Wichtigste für junge Fußballer:innen. Fußball war schon immer mein Lieblingssport. Ich bin quasi mit dem Ball am Fuß aufgewachsen. Ich brauchte den Ball nur herumrollen zu sehen, da rannte ich schon hinterher, als sei er die Luft zum Atmen. In meiner Jugend spielte ich mit meinen Freunden Fußball auf der Straße. Durch diese Art unbeaufsichtigtes Spiel wächst man schnell.
Erlaube dir selbst, dich von deinen Idolen abzugrenzen. In meiner Jugend war mein Idol Giuseppe Giannini, der Kapitän der AS Rom. "Il Principe". Ich hätte alles dafür gegeben, dieselbe Karriere wie er zu durchlaufen. Dabei waren wir technisch gesehen zwei völlig unterschiedliche Spieler. Aber ich habe stets beobachtet, wie er spielte und sich auf dem Spielfeld bewegte und positionierte.
Kreativität kann man nicht trainieren. Entweder man ist kreativ – oder nicht. Im Fußball ist die Nummer 10 auf spezielle Weise mit einem kreativen Spiel verknüpft. Diese Nummer sagt: Du hast etwas Besonderes, das die anderen nicht haben. Zunächst dachte ich auf dem Spielfeld nur daran, Spaß zu haben und die Leute zu unterhalten. Kreativität, Unbekümmertheit und der Wunsch nach Spaß waren mir sozusagen in die Wiege gelegt worden. Das heißt aber nicht, dass Kreativität immer funktioniert. Denn Kreativität ist unweigerlich mit Risiko verbunden. Manchmal klappt's, manchmal klappt's nicht. Auch das gehört dazu.

Francesco ist einer der seltenen Spieler, die über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen und eine unglaublich lange Karriere durchlaufen.
"In demselben Team zu spielen und dasselbe Trikot zu tragen, war der schönste und wichtigste Sieg in meiner Karriere."
Francesco Totti
Um Träume zu realisieren, braucht es Beständigkeit. Als ich das erste Mal das italienische Nationalteam-Trikot trug, war das ein absolutes Glücksgefühl. Man muss fest an den eigenen Traum glauben, wie z. B. für sein Land spielen. Letztendlich geht es darum, alles zu geben, immer wieder, und an den eigenen Träumen festzuhalten. Leidenschaft und Entschlossenheit machen es leichter, die Höhen und Tiefen einer langen Karriere zu durchleben.
An der Spitze sind deine Teampartner Champions, und auch das gegnerische Team besteht aus Champions. Da stellt sich die Frage: Wer ist enger verbündet? Italiens Nationalteam war erfolgreich, weil wir talentiert waren. Aber zum großen Teil wurden wir Weltmeister, weil wir in Lippi einen großartigen Trainer hatten, der mit jedem einzelnen von uns umgehen konnte. Wenn die Gruppe geeint ist und ein gemeinsames Ziel verfolgt, ist alles einfacher.
Fußballschuhe an sich sind wie ein Teil der Fußball-Community. Wenn ich mir die ganzen Tiempo-Modelle ansehe, die ich im Laufe meiner Karriere getragen habe, werde ich ganz nostalgisch. Ich habe so viele Jahre mit ihnen verbracht, fast wie mit einem Menschen. Wenn du auf deinen Schuh vertraust, kannst du Dinge vollbringen, die du nicht für möglich gehalten hättest. Außerdem geben dir die Schuhe eine Art mentale Sicherheit. Zum Beispiel konnte ich nicht so spielen, wie ich wollte, wenn die Lasche meines Schuhs nicht genau da platziert war, wo ich es brauchte. Mir gefiel nicht nur die Ästhetik und wie die Schuhe gemacht waren, sie waren auch eine Orientierungshilfe, wenn ich auf meine Füße guckte und schoss. War die Lasche nicht an ihrem richtigen Platz, fühlte es sich an, als sei mein Fuß ein wenig schief. Und ich hatte das Gefühl, ich könnte den Schuss nicht ordentlich ausführen. Es war fast, als sorgte die Lasche für eine Torchance. Hört sich komisch an, oder? Aber meine Schuhe waren eine mentale Stütze für mich.
In demselben Team zu spielen und dasselbe Trikot zu tragen, war der schönste und wichtigste Sieg in meiner Karriere. Doch das ist nicht so einfach. Es ist zwar leicht gesagt, aber nicht unbedingt leicht getan. Ich habe es getan, weil ich Begeisterung und Liebe für mein Land verspürte. Es war immer mein oberstes Ziel, meine Karriere mit demselben Trikot zu beginnen und zu beenden.