Die definitive Geschichte des Nike World Campus

  • 21.5.2026
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Wenn du den Campus von NIKE, Inc. in Beaverton, Oregon, besuchst, entdeckst du einen Ort, der gleichermaßen von seiner Größe und den Menschen geprägt wird, die ihn mit Leben füllen.

Das hier ist kein Bürokomplex und auch keine Konzernzentrale. Es ist eine ganze Welt. Hier dreht sich alles um Sport. Ein Ort, an dem Bewegung, die Landschaft und das tägliche Leben sich auf perfekte Weise überschneiden.

Der mehr als 160 Hektar umfassende Campus verfügt nicht nur über Gebäude, die nach legendären Athlet:innen benannt wurden. Es gibt auch Laufstrecken, die an Fußballfeldern, einem See und modernsten Laboren vorbeiführen, die sich der Innovation und der Zukunft des Sports widmen. Die weitläufige Umgebung ist ganz bewusst gestaltet.

Diese Stadt in der Stadt, in der Tausende von Beschäftigten arbeiten, wurde letzten Herbst umbenannt. Mit dem neuen Namen Philip H. Knight Campus wird der visionäre Mitbegründer geehrt, dessen unerschütterlicher Glaube an Athlet:innen und Innovation dazu beitrug, das Unternehmen von einem unerfahrenen Start-up in ein globales Powerhouse zu verwandeln.

Aber bevor dieser enorme Campus – mit einer richtigen Laufbahn, einem Schwimmbad mit 11 Bahnen, einer 9 Meter hohen Kletterwand, mehrere zehntausend Quadratmeter großen Gebäuden und dem weltweit berühmten Nike Sport Research Lab – überhaupt existierte, hatte Nike gar keine Headquarters. Im Jahr 1964 hieß das Unternehmen noch Blue Ribbon Sports und war in einer viel bescheideneren Umgebung ansässig.

Das LeBron James Innovation Center wurde 2021 eröffnet und verfügt über 7.800 Quadratmeter Fläche, die der Forschung im Bereich Sport gewidmet sind

Die Zeit vor dem Campus

Im April 1964 kam eine Lieferung mit 300 Schuhpaaren am Haus von Bill und Lota Knight in der SE Claybourne in Portland an. Ihr 26 Jahre alter Sohn Phil Knight, der von seinen Freund:innen auch "Buck" genannt wurde, baute gerade sein Schuhgeschäft auf. Er stapelte die Schuhkartons einfach im Wäscheraum im Keller.

Dieser Raum wurde buchstäblich zum ersten Büro der jungen Firma.

"Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich sie gefragt habe", erzählte Knight später in einem Interview mit dem Department of Nike Archives. "Ich habe einfach die ganzen Schuhe hergebracht."

Das erste Büro von Blue Ribbon Sports wurde 1967 an der Ecke SE 50th und Powell Boulevard in Portland eröffnet.

"[Unser erstes Büro] war billig. Billig und gerade frei."

Phil Knight, Mitbegründer von NIKE, Inc.

Von da aus lud Knight die Schuhe in seinen Plymouth Valiant und fuhr damit an die Highschools in Portland und Umgebung, um sie direkt an Läufer:innen zu verkaufen. Manchmal hatten diese kein Bargeld dabei und kamen dann später bei Knight zu Hause vorbei, um ein Paar zu kaufen.

"Es war schon erstaunlich, dass sie den Weg zu mir überhaupt fanden", erzählt Knight. "Wir wohnten in einer kleinen Seitenstraße, die schwer zu finden war."

Blue Ribbon Sports, Knights junge Schuhfirma, wuchs schließlich so sehr, dass der Keller seiner Eltern zu klein wurde. Es sollten aber noch viele Jahre vergehen, bis sie Stabilität erreichte.

Das erste offizielle Büro wurde 1967 in einem kleinen Gebäude an der Ecke SE 50th und Powell Boulevard in Portland eröffnet. Die Miete lag bei nur 50 $ pro Monat.

"Es war billig", so Knight. "Billig und gerade frei."

Der winzige Raum war gleichzeitig Homeoffice, Lager, Verkaufsbüro und Ladengeschäft. Hinten wurden Bestellungen verpackt und vorn Rechnungen geschrieben. Danach wurden die Sendungen verschickt.

"Wenn wir eine Bestellung bekamen, gingen wir nach hinten und packten die Schuhe in einen Karton", erinnert sich Bob Woodell, ein früher Mitarbeiter und der erste Chief Operating Officer der jungen Firma. "Dann gingen wir wieder nach vorn, tippten die Rechnung, adressierten und frankierten das Paket und verschickten es per Post. Damals war eine Bestellung über 10 Paare ein Geschenk des Himmels."

Es war nicht gerade ein ruhiges Büro. Um Punkt 16 Uhr ging die Jukebox nebenan in der Pink Bucket Tavern an und der Bass ließ die Wände vibrieren.

"Man konnte seine Uhr danach stellen", erinnert sich Woodell. "Boom, boom. Man wusste sofort, dass es 16 Uhr war."

Das Büro am Powell Boulevard war die erste Station einer langen Reihe von Umzügen für die junge Schuhfirma.

In den folgenden zehn Jahren zog Blue Ribbon Sports immer wieder um – von den ersten Büroräumen im Südosten von Portland in das Horace-Mann-Gebäude in Tigard, weiter nach Beaverton, zurück nach Tigard in die Nähe des Nimbus Drive und schließlich wieder nach Beaverton. Dort bezog das Unternehmen zwei Büros am Murray Boulevard, die intern "Murray I" und "Murray II" hießen. In dieser Zeit entstand außerdem das erste eigenständige Lager an der Burnside in Portland, getrennt von den Büroräumen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen seinen endgültigen Namen angenommen: Nike, nach der Siegesgöttin in der griechischen Mythologie.

In den frühen 1980ern waren die Beschäftigten von Nike auf mehr als zwanzig Gebäude in der gesamten Umgebung von Portland verteilt. Das Unternehmen wuchs schnell, aber es hatte noch keinen echten Sitz.

Ein Ort, an dem das Team vereint ist

Nike war sich bewusst, dass alle an einem Ort zusammengebracht werden mussten.

"Wir waren auf mehrere Gebäude in ganz Washington County verteilt", erklärt Knight. "Als wir mit unseren Büros an einen zentralen Ort umzogen, wurde uns bewusst, dass wir dadurch auch die Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen verbessern konnten."

Es gab auch ein Wahrnehmungsproblem. Nike hatte sich zu einem großen globalen Unternehmen entwickelt, sah aber von außen betrachtet noch nicht so aus.

Einer der originalen Pläne des Nike Geländes.

"[Wir] hatten Interesse geweckt, aber wir hatten noch keine Präsenz am Markt", erinnert sich Jim Robison, der 1979 zum Unternehmen kam und später an der Leitung des Campus-Projekts mitwirkte. "Die Leute flogen von Asien und Europa ein und kamen zu unserem kleinen, gerade einmal 3.700 Quadratmeter großen Gebäude gegenüber von K-Mart. Dann mussten sie wieder ins Auto steigen, zu einem Meeting an einen anderen Ort fahren, danach erneut ins Auto steigen und zurückkehren."

Nike brauchte mehr als nur Platz. Das Unternehmen brauchte eine Umgebung, die seiner Entwicklung gerecht wurde.

"Wir wollten eine Campus-Atmosphäre, weil bei uns alle tief im Herzen College-Studierende geblieben sind. Wir wollten einen Ort, an dem man gut arbeiten kann. Es sollte aber gleichzeitig ein Ort sein, an dem man sich gern aufhält."

Phil Knight, Mitbegründer von NIKE, Inc.

1984 fand das Unternehmen diesen Ort: ein rund 30 Hektar großes Grundstück direkt nördlich der bestehenden Büros in Beaverton. Nike kaufte das Grundstück für 5,5 Millionen US-Dollar in bar und legte damit den Grundstein für den heutigen permanenten World Campus.

Doch der Bau begann nicht sofort.

"Wir beschlossen, mit dem Bau der Headquarters zu warten, bis wir wirklich verstanden hatten, wofür unsere Marke steht", erklärt Knight.

Dieser Moment kam im Jahr 1987, als Nike seine Identität definierte

"1987 hatten wir uns festgelegt: Wir wollten ein Performance-Unternehmen sein", erzählt Knight. "Wir gingen zurück zu unseren Wurzeln – das war unser Fokus."

Damit stellte sich eine noch größere Frage: Wenn Nike zu einem globalen Unternehmen wurde, wie sollten die World Headquarters aussehen?

Ein Ort mit einem Gefühl der Verbundenheit

Als die Bauarbeiten begannen, war das Ziel nicht nur, Menschen zusammenzubringen. Es sollte ein Ort entstehen, der sich wesentlich von den Büros unterschied, die das Unternehmen hinter sich gelassen hatte.

"Wir wollten eine Campus-Atmosphäre, weil tief im Herzen alle College-Studierende geblieben sind", erklärt Knight. "Wir wollten einen Ort, an dem man gut arbeiten kann. Gleichzeitig sollte es ein Ort sein, an dem man sich gern aufhält." Diese Idee wurde zur Grundlage für alles, was folgte.

1988 begann der Bau der Nike World Headquarters.

Statt eines einzelnen Hochhauses entstanden die neuen Headquarters als Ensemble mehrerer Gebäude rund um gemeinsame Freiflächen, eher wie ein Unicampus als ein Bürokomplex. Es sollte Raum zum Bewegen, Austauschen und Nachdenken geben.

Die ersten Gebäude wurden mit Bereichen zum Essen, Treffen und Entspannen geplant. Das Joan Benoit Samuelson Building war zum Beispiel wie das Zentrum eines Unicampus gestaltet. Mit einer Kantine, kleinen Läden und offenen Treffpunkten brachte es Mitarbeitende den ganzen Tag über zusammen. Wöchentliche Veranstaltungen wie der Biergarten “Thirst Thursday” brachten Mitarbeitende aus unterschiedlichen Teams und mit verschieden langer Betriebszugehörigkeit zusammen. So verschwammen die Grenzen zwischen den Abteilungen.

Luftaufnahme der Nike World Headquarters aus dem Jahr 1989.

"Von neuen Mitarbeitenden bis zu Führungskräften kamen alle ungezwungen ins Gespräch und tranken zusammen ein Bier.", erinnert sich Nike Historiker Scott Reames. "Die entspannte Atmosphäre bot Raum, um abzuschalten und Kolleg:innen aus allen Bereichen kennenzulernen."

Ganz in der Nähe befand sich das Bo Jackson Fitness Center mit Trainingsräumen und Sportplätzen für Freizeitsport auf dem Campus.

"Die Beschäftigten verbrachten jeden Arbeitstag miteinander – im Büro, beim Mittagessen, im Gym und auf den Laufstrecken. Diese Nähe förderte spontane Begegnungen, erleichterte die Zusammenarbeit und stärkte das Gemeinschaftsgefühl", so Reames.

Der Innenhof des Joan Benoit Samuelson Building, um 1990.

Die Natur als Teil des Designs

Die Natur sollte nicht verdrängt oder erst nachträglich berücksichtigt werden. Sie stand im Mittelpunkt des Campus-Designs.

Im Zentrum des Geländes wurde ein künstlicher See angelegt. Die Gebäude wurden sorgfältig um ihn herum angeordnet. Anstatt Wasser und Landschaft als Hindernisse zu sehen, entschied sich das Team, beides in die Planung einzubeziehen. Der Campus sollte sich der Umgebung anpassen und nicht umgekehrt.

Die Erde, die beim Anlegen des Sees ausgehoben wurde, bildete eine von Bäumen gesäumte Berme rund um den Campus. Sie schirmte das Gelände von der Außenwelt ab und schuf zugleich Laufwege, die sich über das gesamte Grundstück zogen.

Das war beabsichtigt. Inspiriert vom Kontrast zwischen dem pulsierenden Stadtleben und den ruhigen Innenräumen, die er in Japan erlebt hatte, stellte Knight sich einen Ort vor, der nach anstrengenden Geschäftsreisen Ruhe vermitteln sollte.

"Draußen muss man sich jeden Tag behaupten", sagt er, "Und wenn man nach Hause kommt, will man einfach einen Ort der Ruhe."

Ein Reflexionsbecken neben dem Mike Krzyzewski "Coach K" Fitness Center.

"Draußen muss man sich jeden Tag behaupten. Und wenn man nach Hause kommt, will man einfach einen Ort der Ruhe."

Phil Knight, Mitbegründer von NIKE, Inc.

Die Gebäude der Nike World Headquarters, von links: Next%, John McEnroe, Prefontaine Hall, Michael Jordan und Mike Schmidt.

Sogar die Gebäude selbst spiegeln diesen Gedanken wider. Anfangs blieben die Gebäude bewusst niedrig und wurden über das Gelände verteilt, um Licht, Raum und die natürliche Umgebung optimal zu nutzen. Da genügend Land zur Verfügung stand, entschieden Knight und sein Leadership-Team, in die Breite statt in die Höhe zu bauen. Statt hoher Türme entstanden viergeschossige Gebäude. Im Inneren setzte das Design auf eine offene Raumgestaltung und kurze Wege. Großzügig angelegte Treppen brachten mehr Tageslicht ins Gebäude, selbst wenn dadurch weniger Bürofläche zur Verfügung stand.

Von Anfang an sollte der Campus mehr sein als nur ein Unternehmenssitz. Er sollte die Identität eines Unternehmens widerspiegeln, das von Athlet:innen und ihrem Umfeld geprägt ist.

Das Mia Hamm Building und das Jerry Rice Building heute.

Auf Athlet:innen ausgerichtet

Mit dem Campus wurden selbst die Namen der Gebäude Ausdruck der Unternehmenswerte.

Die ursprünglichen Pläne, die Gebäude schlicht mit "A", "B" und "C" zu bezeichnen, wurden verworfen. Stattdessen entschied sich Nike für ein System, das besser zur Sportkultur der Brand passte.

"Ich sagte: 'Wenn ihr unsere Gebäude so nennen wollt, wird das nicht leicht'", erinnert sich Projektleiter Howard Slusher. "Das passt einfach nicht zu uns. Warum benennen wir die Gebäude nicht nach unseren Athlet:innen?"

Diese Idee veränderte den Plan grundlegend. Die Gebäude wurden nach Athlet:innen benannt, die ihren Sport geprägt hatten – Größen der Hall of Fame und Legenden ihres Sports.

Die ersten Gebäude wurden nach Legenden wie Steve Prefontaine, Joan Benoit Samuelson und Michael Jordan benannt. Diese Tradition wurde mit dem Wachstum des Campus fortgeführt.

Das Michael Jordan Building im Jahr 1990.

"Ich sagte: 'Wenn ihr unsere Gebäude A, B und C nennen wollt, wird das nicht leicht. Diese Namen passen einfach nicht zu uns. Warum benennen wir die Gebäude nicht nach unseren Athlet:innen?'"

Howard Slusher, Nike Campus Project Leader

Das Bo Jackson Fitness Center und Sportanlage.

Der ursprüngliche Campus entstand innerhalb von zwei Jahren. Den Anfang machten 1990 das Mike Schmidt Building und das Michael Jordan Building. Den Abschluss bildete 1992 das Nolan Ryan Building.

Zum ersten Mal hatte das Unternehmen einen Ort, der zu seiner Arbeitsweise passte – und zu dem Unternehmen, das es werden wollte.

Er war mehr als nur Headquarters. Er legte das Fundament für die Zukunft.

"Als wir die Designteams für Schuhe und Bekleidung an einem Ort zusammenbrachten, entstand eine unglaubliche Synergie", erzählt der ehemalige Design Director Wilson Smith, der mehr als 40 Jahre für das Unternehmen tätig war. "Zwischen den beiden Gebäudeteilen lag nur eine interne Brücke. Es war sicher kein Zufall, dass wir heute auf die 1990er als das goldene Zeitalter des Produktdesigns zurückblicken."

Erweiterung und Neuerfindung

Das Wachstum kam schnell – und in Wellen.

Ende der 1980er hielt der Bau neuer Gebäude Schritt mit dem Wachstum des Unternehmens. Mit der steigenden Nachfrage kamen weitere Gebäude hinzu. Nike weihte die neuen Headquarters im Oktober 1990 offiziell ein und brachte damit Mitarbeitende zusammen, die lange über die gesamte Region verteilt gewesen waren.

Das Tempo ließ nicht nach. Innerhalb eines Jahrzehnts baute Nike den Campus deutlich aus und verdoppelte seine Fläche nahezu, parallel zum starken Wachstum des Unternehmens in den 1990ern. Die Tradition, Gebäude nach Athlet:innen zu benennen, wurde mit Persönlichkeiten wie Ken Griffey Jr., Mia Hamm und Jerry Rice fortgesetzt. So stärkte Nike die Verbindung zwischen dem Unternehmen und den Athlet:innen, die im Mittelpunkt standen.

NIKE, Inc. Mitbegründer Phil Knight, rechts, mit Jerry Rice bei der Einweihung des Jerry Rice Building im Jahr 1999.

In der nächsten Phase ging es nicht nur um Größe, sondern auch um neue Möglichkeiten.

In den späten 1990ern und frühen 2000ern entwickelte sich der Campus weiter. Er spiegelte ein Unternehmen wider, das nicht mehr mit Blick auf mögliche Rückschläge plante, sondern voller Zuversicht in die Zukunft blickte.

"Der ursprüngliche Campus war so angelegt, dass Nike im Fall eines starken Geschäftseinbruchs – eine reale Sorge in den 1980ern – eines oder mehrere Gebäude verkaufen oder an andere Unternehmen vermieten konnte", erklärt Reames. "Doch das explosionsartige Wachstum in den 1990ern machte deutlich, dass für die zweite Erweiterung kein Plan B mehr nötig war. Diese Zuversicht spiegelt sich auch in der Gestaltung der neuen Gebäude wider."

Die neuen Gebäude waren größer und darauf ausgelegt, eine schnell wachsende Belegschaft unterzubringen und den zunehmend komplexen Anforderungen einer globalen Marke gerecht zu werden. Neubauten wie das 2001 eingeweihte Tiger Woods Center schufen Platz für große Veranstaltungen, von Verkaufstagungen bis hin zu Produkteinführungen, für die zuvor Veranstaltungsorte außerhalb des Campus genutzt werden mussten. Mit jedem neuen Gebäude wuchs nicht nur der Campus. Auch seine Möglichkeiten erweiterten sich.

Baubeginn des Serena Williams Building im Jahr 2018.

Die Entwicklung fand ihren Höhepunkt in einer umfassenden modernen Erweiterung, die den Campus erneut prägte.

Ende der 2010er-Jahre startete Nike ein umfangreiches Entwicklungsprojekt mit drei großen neuen Gebäuden auf dem weitläufigen Campus. Insgesamt entstanden mehr als 102.000 Quadratmeter zusätzliche Fläche. Die Erweiterung brachte eine neue Architektursprache mit sich – dunklere, minimalistisch gestaltete Gebäude, bei denen Nachhaltigkeit, Performance und Zusammenarbeit im Mittelpunkt standen. Forschung, Design und Produktentwicklung rückten dadurch näher zusammen als je zuvor.

"Das Nike Leadership-Team wollte eine erstklassige Architektur, die die Essenz der Brand einfängt und Nike als führendes Unternehmen widerspiegelt", erklärt Gene Sandoval, Partner bei ZGF Architects und leitender Architekt des 2018 eröffneten Sebastian Coe Building. "Das Seb Coe Building sollte Bewegung und Dynamik verkörpern und inspirierende kreative Arbeitsräume im North Wood Forest schaffen."

Nike wusste genau, welche Rolle die Gebäude erfüllen sollten. Wenn Sandoval Knight und Howard Slusher seine Entwürfe zeigte, bekam er immer dieselbe Antwort: "Noch größer denken." Knights Philosophie war einfach: Wenn Nike etwas machte, dann richtig groß. Sandoval erzählt, dass ihn immer wieder beeindruckte, wie ernst die beiden den Anspruch nahmen, dass Architektur die Kultur und die Werte der Brand transportieren sollte.

Jedes Detail des Seb Coe Building wurde von dieser Vision geprägt. Das Gebäude liegt eingebettet im North Wood Forest und trug ursprünglich den Namen dieses Walds. Beim Entwurf stand der Erhalt der natürlichen Umgebung im Mittelpunkt. So viele Bäume wie möglich sollten erhalten bleiben. Gleichzeitig sollte das Innere des Gebäudes das Gefühl vermitteln, Teil des umliegenden Waldes zu sein. Dieses Gefühl zeigt sich besonders in der Kantine mit ihren bodentiefen Fenstern und dem Blick in den Wald. Das Gebäude sollte sich harmonisch in die Landschaft Oregons einfügen.

Vor dem weit auskragenden Gebäudeteil bildet ein Wasserelement den gestalterischen Mittelpunkt. Den ursprünglichen Plänen zufolge sollte der Überhang 18 Meter weit auskragen. Als Sandoval sie Mark Parker zeigte, drängte dieser auf eine größere Auskragung. Am Ende wurde die Auskragung verdoppelt. Mit einer Auskragung von 36 Metern gilt das Gebäude als ingenieurtechnische Meisterleistung und als einzigartig in Oregon.

Im Zentrum des architektonischen Wandels stand das LeBron James Innovation Center, das 2021 eröffnet wurde und einen Wendepunkt in der Produktentwicklung bei Nike markierte. Im Zentrum stand das wegweisende Nike Sport Research Lab, ein erstklassiges Innovationslabor, in dem Athlet:innen in Bewegung erforscht werden. Das Labor war mit Hunderten von Kameras zur Bewegungserfassung, Dutzenden von Kraftmessplatten und modernsten Testumgebungen ausgestattet. So konnten Forschungs-, Design- und Engineering-Teams Performance in Echtzeit analysieren und die Erkenntnisse direkt in die Produktentwicklung einfließen lassen.

"Das Nike Sport Research Lab ist das Herzstück unserer Zusammenarbeit mit Athlet:innen aller Leistungsstufen, Hintergründe und Sportarten", sagt Matthew Nurse, Chief Science Officer bei Nike.

Wenn das LeBron Building für einen großen Sprung nach vorn in der Sportwissenschaft stand, verkörperte das Serena Williams Building eine ebenso ambitionierte Investition in Kreativität.

Nike Teams nutzen die Rampe des LeBron James Building regelmäßig für Workouts oder Meetings im Gehen – bergauf.

"Das Nike Sport Research Lab ist das Herzstück unserer Zusammenarbeit mit Athlet:innen aller Leistungsstufen, Hintergründe und Sportarten."

Matthew Nurse, Chief Science Officer bei Nike

Mit rund 92.000 Quadratmetern ist das 2022 eröffnete Gebäude das größte auf dem Campus und steht wie kaum ein anderes Gebäude für den hohen Stellenwert von Design bei Nike. In dem Gebäude kamen Produkt-, Analyse- und Merchandising-Teams an einem Ort zusammen. Es wurde dafür konzipiert, die Zusammenarbeit zu beschleunigen und neue Ideen schneller von der Idee bis zur Umsetzung zu bringen. Spezielle Labore, interaktive Umgebungen und großzügige Showrooms ermöglichten es den Teams, Ideen im großen Maßstab zu testen, zu visualisieren und weiterzuentwickeln.

"Das gesamte Gebäude verschlägt dir den Atem", sagt Serena Williams über das nach ihr benannte Gebäude. "Wohin du auch blickst, überall findest du Inspiration."

Die jüngsten Erweiterungen markierten eine neue Ära für den Campus, die nicht nur von Wachstum, sondern auch von engerer Zusammenarbeit geprägt war. Hier arbeitet alles Seite an Seite: Wissenschaft und Kreativität, Forschung und Design.

Ein besonderer Arbeitsplatz

Über Jahrzehnte hinweg entstand am Philip H. Knight Campus durch viele bewusst getroffene Entscheidungen etwas Seltenes: ein Arbeitsplatz, der die Größe eines globalen Unternehmens mit dem Gefühl eines persönlichen, inspirierenden Zuhauses für seine Mitarbeiter:innen verbindet.

Wer den Campus zum ersten Mal besucht, spürt das sofort. Beim Rundgang über den Campus verändern weite Freiflächen und von Bäumen gesäumte Wege das Gefühl für Entfernungen. Der Weg von einer Seite des Campus zur anderen kann 15 Minuten oder länger dauern. Die Umgebung verändert sich ständig. Auf weitläufige Freiflächen folgen malerische Abschnitte, die wie verborgen in der Landschaft wirken. Wie jeder besondere Ort erhält auch dieser seine Energie von den Menschen, die ihn prägen. Zwischen Meetings begegnen sich Kolleg:innen auf den Wegen über den Campus. Mitten im Gespräch oder im Vorbeigehen grüßen sie sich kurz. Die Atmosphäre erinnert eher an einen Unicampus als an ein Unternehmensgebäude.

Aus der Vogelperspektive erinnert das weitläufige Serena Williams Building an den Flügel einer Göttin.

Genau so einen Ort hatte Phil Knight von Anfang an vor Augen. Ein Ort, an den man zurückkehrt, um neue Kraft zu schöpfen und wieder loszulegen.

"Ich habe 30 Jahre bei Nike gearbeitet und das Unternehmen 17 Jahre lang als Historiker begleitet. Ich bin fest davon überzeugt, dass der heutige Philip H. Knight Campus eine beispiellose Ära der Kreativität und Innovation ausgelöst hat", sagt Reames. "Wenn der Nike Campus der Atomkern ist, dann sind seine Mitarbeiter:innen die Elektronen. Sie stoßen aufeinander und setzen Energie, Ideen und Inspiration frei."

Der Michael Johnson Track bietet ein Trainingsgelände auf Weltklasseniveau inmitten der Natur.

"Das ist mehr als nur eine Namensänderung. Es ist eine Hommage an den Mann, dessen Vision eine globale Bewegung ins Leben gerufen hat."

Elliott Hill, President und CEO, NIKE, Inc.

Die Sportanlage Ronaldo Field wird sowohl von Profiteams für das Training als auch von Mitarbeiter:innen für spontane Fußballspiele genutzt.

Ein neuer Name, ein bleibendes Vermächtnis

Mehr als drei Jahrzehnte lang war der Campus einfach als Nike World Headquarters bekannt. Er war das Zentrum eines Unternehmens, das einst in einem Keller begann und zu einem weltweit führenden Unternehmen heranwuchs.

Im Jahr 2025 erhielt der Campus offiziell den Namen Philip H. Knight Campus und unterstrich damit seine Verbindung zum Mitbegründer des Unternehmens.

"Das ist mehr als nur eine Namensänderung", schrieb Elliott Hill, President und CEO von NIKE, Inc., in einem Brief an die Mitarbeiter:innen von Nike. "Es ist eine Hommage an den Mann, dessen Vision eine globale Bewegung ins Leben gerufen hat. Und sie erinnert uns alle, die wir über diese Wege gehen und auf diesen Sportanlagen trainieren, daran, was möglich ist, wenn Überzeugung auf Tatkraft trifft."

Die Umbenennung wird am 21. Mai 2026 offiziell gefeiert. Sie bringt die Nike Community zusammen, um die Geschichte und die Zukunft eines Ortes zu würdigen, der das Unternehmen seit mehr als 35 Jahren prägt.

Die Umbenennung markiert daher weniger ein neues Kapitel. Sie macht vielmehr sichtbar, welche Geschichte Nike schon immer geschrieben hat. Von einem Wäscheraum im Keller bis zu den Nike World Headquarters auf einem weitläufigen Campus zieht sich derselbe rote Faden durch die Geschichte: der Glaube an Athlet:innen, an Innovation und daran, dass das Beste noch vor uns liegt.

Als Elliott Hill, CEO und President von NIKE, Inc., zum Unternehmen zurückkehrte, gehörte es zu seinen ersten Anliegen, die Springbrunnen am Sebastian Coe Building wieder in Betrieb zu nehmen, "weil sie zeigen, dass wir unseren Rhythmus wiedergefunden haben".

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