Ein wissenschaftlich fundierter Sport-Comic für die mentale Gesundheit


- 31.3.2026
- Text:
John Rattray hat sich in seinem Leben kaum Gedanken über die Neurowissenschaften gemacht. Er war mit Skateboarding beschäftigt.
Der Ex-Skate-Profi aus Encinitas, Kalifornien, baute seine Karriere in der schnelllebigen Skate-Kultur auf. 12 Jahre lang reiste er mit seiner Kamera umher auf der Suche nach der nächsten Session.
Als sich Verletzungen anhäuften und seine Profikarriere immer ungewisser wurde, begann er, über die prägendsten Erfahrungen von Menschen nachzudenken.
Skateboarding hatte etwas an sich, das nicht nur für ihn eine Art Fundament bildete, sondern auch für die Menschen in seinem Umfeld.
Er wollte diesem Fundament auf den Grund gehen.
Die Neugierde von Rattray führte Jahre später zu "Your Brain on Sport" (YBOS)– einer Comic-Reihe, die sich mit mentaler Gesundheit und Neurowissenschaft beschäftigt und dabei Storys erzählt, mit denen sich junge Sportler:innen identifizieren können.
Der Comic wurde gemeinsam mit Traumaexpert:innen und Forscher:innen von Nike entwickelt. Er vermittelt komplexe neurowissenschaftliche Erkenntnisse in Form von einfachen Storys, die Sportler:innen helfen, besser mit Stress umzugehen, ihre Emotionen zu regulieren und ihren Körper zu verstehen.
"Mein Ziel war es, mit dem Comic ein Konzept nach dem anderen in coole kleine Geschichten zu verpacken", sagt Rattray. Die Konzepte sollen laut Rattray in kleine, leicht verdauliche Wissenshäppchen aufgeteilt werden und so die Gedanken der Leser:innen anregen. "Ich möchte einen Einblick geben, wie das Gehirn und das Nervensystem zusammenarbeiten und wie man körperliche Aktivität als Werkzeug aus dem eigenen therapeutischen Werkzeugkasten nutzen kann."

Der ehemalige Profi-Skater John Rattray hat gemeinsam mit Traumaexpert:innen und Forscher:innen von Nike die Comic-Reihe "Your Brain on Sport" entwickelt, die sich mit mentaler Gesundheit und Neurowissenschaften beschäftigt.
"Mein Ziel war es, mit dem Comic ein Konzept nach dem anderen in coole kleine Geschichten zu verpacken. Ich möchte einen Einblick geben, wie das Gehirn und das Nervensystem zusammenarbeiten und wie man körperliche Aktivität als Werkzeug aus dem eigenen therapeutischen Werkzeugkasten nutzen kann."
Nike SB hat bislang zwei Ausgaben der Reihe veröffentlicht: The Regulation of Running und Healing Through Hoops. Die Comics enthalten Sketches des Skate-Künstlers Jon Horner und Texte von John Rattray, vom Youth Counselor Joel Pippus sowie vom Neurowissenschaftler Dr. Bruce Perry, PhD, MD.
In "Healing Through Hoops" geht Nike SB Skateboarderin Nicole Hause auf ihre persönlichen Erfahrungen mit Depressionen und Therapie ein. Das Kapitel, in dem auch die Jugendbasketballorganisation aus Chicago "Girls in the Game" vorgestellt wird, zeigt auf, wie Bewegung dabei helfen kann, negative Gedanken loszuwerden und das Nervensystem ins Gleichgewicht zu bringen.
Es mag etwas überraschen, aber Hause fährt nicht immer Skateboard, wenn sie down ist.
"Wenn man professionell skatet, ist das manchmal mit viel Druck verbunden", erklärt sie. "Man hat die Erwartung an sich selbst, jeden Tag wie ein Profi zu skaten. Wenn ich mich aber nicht so gut fühle, hilft es mir manchmal, einfach ganz locker ein paar Körbe zu werfen, um den Kopf freizubekommen. Wenn ich am Korb vorbei werfe, ist das nicht so schlimm, wie wenn mir ein Skate-Trick misslingt. So kann ich mich auf meinen Körper konzentrieren und weniger auf meine Gedanken."
Diese Insights dienten als Ausgangspunkt für die Geschichte: Manchmal können unterschiedliche Aktivitäten dem Körper helfen, einen Gang zurückzuschalten und sich zu erholen. Die Message hinter dem Projekt – und natürlich die Möglichkeit, mit Rattray zusammenzuarbeiten – machten es für Hause zur Selbstverständlichkeit, sich am Comic zu beteiligen.
"John ist eine Skate-Legende", sagt sie. "Als ich vom Projekt hörte, wollte ich sofort mitmachen."
"Your Brain on Sport"
Der Weg hin zu YBOS begann aber schon vor Jahrzehnten.
Rattray ist aus Aberdeen, Schottland, einer Ölstadt an der Nordostküste. Er wuchs in einem instabilen Elternhaus auf, das mit Suchtproblemen zu kämpfen hatte. Sein Vater war stark alkoholabhängig, was das Familienleben sehr chaotisch und unberechenbar machte.
Der Skatepark wurde für Rattray zum Zufluchtsort. In der Skateszene fand er das, was er heute als seine "Crew junger Creatives" bezeichnet – eine Community, die ihm die Stabilität bot, die er sonst nirgends finden konnte.
"Ich weiß nicht, wo ich heute wäre, wenn ich das Skaten nicht entdeckt hätte", sagt er.
Als Rattray 13 Jahre alt war, starb sein Vater. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Skaten bereits sein Leben geprägt. Damals analysierte er diese Gefühl natürlich nicht neurowissenschaftlich. Er wusste einfach, dass sich das Leben etwas lockerer anfühlte, wenn er mit Freund:innen auf dem Skateboard stand.
Im Jahr 2011 nahm sich Rattrays Schwester Katrina das Leben. In dieser schmerzhaften Zeit dachte er intensiv darüber nach, warum das Skateboarden für ihn ein so sicheres Umfeld bot. Er begann, sich über Traumata, das Nervensystem und die langfristigen Auswirkungen einer schwierigen Kindheit zu informieren. Während dieser Recherchen entdeckte er die Forschungsarbeit von Dr. Perry, der ihm später beim Schreiben der Comics helfen würde.

Nike SB Skateboarderin Nicole Haue geht in "Healing Through Hoops" auf ihre persönlichen Erfahrungen mit Depressionen und Therapie ein.
"Wenn ich mich aber nicht so gut fühle, hilft es mir manchmal, einfach ganz locker ein paar Körbe zu werfen, um den Kopf freizubekommen. Wenn ich am Korb vorbei werfe, ist das nicht so schlimm, wie wenn mir ein Skate-Trick misslingt."
Nicole Hause, Nike SB Skateboarderin
Bei der Lektüre von Dr. Perrys Buch Was ist dein Schmerz? lernte Rattray das so genannte "neurosequentielle Modell" kennen – ein Framework, das frühkindliche Erfahrungen, Stress und die regulierenden Systeme des Körpers miteinander verbindet.
Diese Entdeckung war für Rattray ein echtes Aha-Erlebnis.
Zum ersten Mal fand er Worte für die Muster, die er sein ganzes Leben lang beobachtet hatte: für das Chaos in seiner Kindheit, für die emotionale Belastung, mit der seine Familie zu kämpfen hatte, und für den Grund, warum ihm das Skateboarding ein so starkes Gefühl der Zugehörigkeit bot.
"Warum hat mir das niemand gesagt?", fragte er sich direkt. "Das erklärt ja alles, was ich erlebt und gefühlt habe."

Rattray (rechts) und Joel Pippus, Push to Heal Youth Counselor, besuchten eine Kunstausstellung in Calgary, bei der ein Print-Exemplar der zweiten Ausgabe von "YBOS" verteilt wurde.
"Rhythmus unterstützt die Regulierung. Das ist eines der Konzepte, die bei Athletinnen und Athleten den größten Anklang finden."
Brett Kirby, Nike NSRL Senior Principal Scientist
Heute dient die Comic-Reihe von Rattray nicht nur als Unterhaltungsmedium, sondern auch als Lern-Tool, das mit dem "neurosequentiellen Modell im Sport" (NM-Sport) verknüpft ist und Forschungsergebnisse aufs Sportumfeld überträgt.
Zu den Schlüsselkonzepten gehören, wie das Gehirn auf Stress reagiert und wie eine korrekt gesetzte Challenge dazu beitragen kann, Resilienz aufzubauen.
"Einer der wichtigsten Punkte, die man über die Stressreaktion des Gehirns wissen sollte, ist, dass moderater, planbarer Stress sich positiv darauf auswirken kann", erklärt Dr. Perry. "Im Sport nennt man das Training. "Man setzt den Körper planbaren Challenges aus, damit er sich weiterentwickeln kann."
In anderen Worten, so Dr. Perry, biete der Sport etwas, was viele herkömmliche Ansätze für die mentale Gesundheit nicht bieten können: nämlich wiederkehrende Gelegenheiten, Challenges, Selbstregulierung und Erholung innerhalb einer unterstützenden Community zu erleben.
"Wenn ein Kind Teil eines Teams ist", erklärt Dr. Perry, "hat es viel mehr Gelegenheiten, positive Erfahrungen zu machen, als wenn es nur einmal pro Woche mit einem Psychologen spricht."
Auch die Bewegung an sich ist wichtig. Regelmäßige rhythmische Bewegungen (wie beim Gehen, Laufen, Skateboarden oder Basketballspielen) senden Signale ans Nervensystem, die dabei helfen können, emotionale Zustände zu regulieren.
Brett Kirby, Senior Principal Scientist beim Nike Sport Research Lab (NSRL), gehörte zu einer der ersten Trainingsgruppen des NM-Sport-Programms. Die Forschungsarbeit kombinierte die Ideen von Dr. Perry mit dem Nike Mindset zu Training und Leistungssport.
"Rhythmus unterstützt die Regulierung", sagt Kirby. "Das ist eines der Konzepte, die bei Athletinnen und Athleten den größten Anklang finden."
In der ersten Ausgabe des Comics The Regulation of Running half Kirby dabei, diese Prinzipien in Worte zu fassen. Er erklärt, wie Schrittfrequenz und repetitive Bewegungen Sportler:innen helfen können, ihr Nervensystem herunterzufahren.
Laut Kirby erzeugt Lauftraining einen natürlichen Rhythmus, auf den das Gehirn anspricht.
"Wenn wir mit Athletinnen und Athleten arbeiten, denken wir beim Training immer an die korrekte Dosierung – planbare, moderate Belastungen, die es dem Körper ermöglichen, sich weiterzuentwickeln", sagt er. "Das gleiche Prinzip gilt auch für Stress und emotionale Erfahrungen. Mit korrektem Training kann man sich auf Situationen vorbereiten."
Der Ansatz, dass Sport sowohl als körperliches als auch als emotionales Training angesehen werden kann, steht im Mittelpunkt von YBOS.
Dr. Perry weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es sein kann, neurowissenschaftliche Erkenntnisse in einfache Worte zu fassen. Dies ist einer der Gründe, warum er von Rattrays Comic-Reihe so begeistert ist. Als der ehemalige Profi-Skater dem Neurowissenschaftler erste Drafts zeigte, war er nach eigenen Aussagen "erstaunt", wie klar die Konzepte zum Ausdruck kamen.
"Er konnte diese Konzepte klarer umsetzen als die meisten Leute, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite", so Dr. Perry. "Komplexe Ideen in Alltagssprache wiederzugeben, ist unglaublich schwierig. Ihm ist es auf eine Art und Weise gelungen, die junge Sportlerinnen und Sportler anspricht."

"Wenn man professionell skatet, ist das manchmal mit viel Druck verbunden", erklärt Hause. "Man hat die Erwartung an sich selbst, jeden Tag wie ein Profi zu skaten."
"Dieses Projekt gab mir die Möglichkeit, mich verletzlich zu zeigen – und vielleicht hilft das jemandem da draußen."
Nicole Hause, Nike SB Skateboarderin
YBOS entstand aus einem größeren Projekt von Rattray mit dem Namen Why So Sad?. Anhand von Skateboarding wird das Bewusstsein für Depressionen und Suizidprävention gestärkt. Teil des Projekts waren Community-Events, Storytelling und frühere Comic-Collabs, die darauf abzielten, innerhalb der Skateszene einen Diskurs über mentale Gesundheit anzustoßen.
Why So Sad? und YBOS werden von der US-Non-Profit Center for Healing and Justice Through Sport (CHJS), den in Calgary ansässigen Organisationen für mentale Gesundheit "Push to Heal" und "Hull Services" sowie von Nike Social & Community Impact unterstützt, die auch mit CHJS zusammenarbeiten, um Non-Profit-Partner auszubilden, die weltweit die Zukunft des Jugendsports vorantreiben.
Limitierte Print-Exemplare von Healing Through Hoops wurden bei Spendenveranstaltungen verteilt. Die digitale Version wird in Kürze online verfügbar sein. The Regulation of Running ist auf Nike SB verfügbar.
Hause sagt, die Projekte spiegelten Werte wider, die sie bei Nike als Teil des umfassenden Ansatzes zur Unterstützung von Sportlerinnen und Sportlern erlebt habe: ein Ansatz, der sie dazu ermutigte, auf ihren Körper zu hören und offen über mentale Gesundheit zu reden.
"Nike kümmert sich um seine Athletinnen und Athleten", sagt sie. "Es ist ein Unternehmen, dem unsere mentale Gesundheit wirklich am Herzen liegt und das möchte, dass wir gesund und happy sind."
Im Rahmen des Comic-Projekts hatte sie die Möglichkeit, offen und ehrlich über ihre eigenen Erfahrungen zu sprechen – etwas, was im Profi-Sport leider immer noch nicht so einfach ist.
"Dieses Projekt gab mir die Möglichkeit, mich verletzlich zu zeigen – und vielleicht hilft das jemandem da draußen", so Hause.
Die Crisis Text Line ist ein gemeinnütziger Partner von Nike und ein kostenloser, vertraulicher und rund um die Uhr verfügbarer SMS-Dienst für die mentale Gesundheit, der sowohl auf Englisch als auch auf Spanisch angeboten wird und Menschen in Not ohne Vorurteile unterstützt. In den USA können Interessierte jederzeit mit ehrenamtlichen Crisis Counselors in Kontakt treten, indem sie STRONG an die Nummer 741741 senden.

