Fast Forward: Archiv-Modelle für lange Strecken inspirieren aktuelle Lifestyle-Schuhe von Nike


- 10.8.2026
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Am 23. Mai 2017 warf Jonathon Riley seine Skylon 11 in einen Nike Schuhrecyclingbehälter. Es waren seine Lieblingssneaker, die schon ziemlich abgetragen waren. Der Spitzenläufer hatte über Jahre hinweg genau dieses Modell gesammelt. Als der Skylon 11 nicht mehr herausgebracht wurde, kaufte er jedes Paar, das er finden konnte. Und dieses Paar war sein letztes gewesen.
In verschiedenen Modellen des Skylon war er Kilometer um Kilometer gelaufen – erst als Profi-Läufer und später als Nike Schuhentwickler. Für ihn war das der zuverlässigste Schuh: Ob, bei Langstreckenläufen mit 5 km/Minute über Trainingsläufe auf Asphalt bei einer Distanz von 30 km bis hin zum Sportereignis des Jahres 2004 in Athen, wo er mit der US-amerikanischen Nationalmannschaft am 5.000-Meter-Lauf teilnahm.

Der ursprüngliche Nike Skylon 11 war Mitte der 80er der reaktionsfreudigste, leichteste und am meisten an Performance orientierte Trainingsschuh von Nike.
Aber bevor er sich von den Schuhen trennen musste, verabschiedete er sich mit einem Post auf Social Media-Post.
"Ihr wart die letzten eurer Art, habt durchgehalten bis zum Ende: Einfach die Besten. Danke für jeden Kilometer und für die Erinnerung."
Fast ein Jahrzehnt später ist der performance-orientierte und damals einzigartige Skylon 11 zurück – und zwar für alle, die ihn bisher nur aus der Ferne bewundern konnten.

Ein Social-Media-Post von 2017 vom ehemaligen Profiläufer und Nike Schuhentwickler Jonathon Riley zu seinem Abschied von seinen letzten Skylon 11.
Die Neuauflage des Skylon ist Teil einer neuen Kollektion, zu der auch die Rückkehr einer weiteren Legende der Community der Langstreckenläufer:innen gehört: der Zoom Streak 3. Es ist der erfolgreichste Marathon-Laufschuh in der Geschichte von Nike und eines der herausragendsten Modelle vor der Vaporfly-Ära. Diese beiden Modelle, die einst der Maßstab für Schuhe der Spitzenklasse waren, wurden zusammen für den Alltag neu interpretiert.
Aus Sicht von Nike ist das mehr als nur Nostalgie, es ist Strategie. Denn für die Brand war schon immer klar, dass das Archiv der Performance-Modelle nicht nur mit Erinnerungen gefüllt ist. Hier werden Designcodes aufbewahrt, auf die die Kultur immer wieder zurückgreift. Und sie waren noch nie so beliebt wie heute.

Der ursprüngliche Entwurf vom Skylon 11 trägt die Unterschrift von Andre Kriwet, PLM der Bowerman Series.
"Wir probieren immer wieder neue Ideen aus," so David Mawdsley, Expert Footwear Designer bei Nike Sportswear und Designleiter des neuen Skylon 11. "Aber das Neue muss auch etwas Vertrautes ausstrahlen und das kommt aus unseren Archiven. Wir werfen einen Blick zurück, um nach Vorne zu gehen."
Zack Sweet, Senior Expert beim Nike Sportswear Footwear Product Management, drückt es so aus: "Laufen ist ein wesentlicher Bestandteil unserer DNA, und wir lassen uns gerne von unserem Archiv inspirieren, wenn es um diesen Sport geht. Aber wir übernehmen nicht einfach den kompletten Schuh, wie wir ihn schon entwickelt hatten. Für die nächste Generation finden wir immer neue Bestandteile."

Als Bowermans Team die Modelle nicht mehr nach Jahreszahlen benannte (auf der Abbildung ist der Skylon '08), sondern nach der neuen Version des Modells, bekam der Schuh die Nummer 11.
"Laufen ist ein wesentlicher Bestandteil unserer DNA und wir lassen uns gerne von unserem Archiv inspirieren, wenn es um diesen Sport geht. Aber wir übernehmen nicht einfach den Schuh so, wie wir ihn entwickelt hatten. Für die nächste Generation finden wir immer neue Komponente."
Zack Sweet, Senior Expert beim Nike Sportswear Footwear Product Management
Eigentlich ist es immer dasselbe: Hat ein Schuh seine Leistungsfähigkeit bewiesen, findet er auch seinen Platz in der Kultur. Die Kunst ist, den Moment zu erkennen, bevor es soweit ist. Das ist genau der Vorsprung, den sich Nike über Jahrzehnte erarbeitet hat.
"Wir arbeiten ständig an Innovationen und definieren immer wieder neu, was 'modern' bedeutet", so Ash Hanson, Expert Color and Material Footwear Designerin bei Nike Sportswear, die an beiden neuen Sportschuhmodellen mitgearbeitet hat. "Manchmal ist das Zurückblicken und das Neuerfinden genau das, was 'modern' bedeutet. Beim Zoom Streak ist es, die Einfachheit oder das minimalistische Design, das den Schuh neu wirken lassen. Gerade heute, wo vieles in der Footwear-Branche überladen ist, wirkt diese Einfachheit frisch."

Der Skylon 11 von 2026 – nach wie vor mit Dämpfung, Struktur und dem Profil eines echten Langstreckenlaufschuhs, aber neu konzipiert für den Alltag.
Edwin Cruz, Expert Footwear Designer bei Nike Sportswear und Designer vom neuen Zoom Streak 3, erkannte direkt die Chance. "Der Markt war schon fast übersättigt mit einheitlichen Modellen. Sehr auffällig, ziemlich Y2K und chunky", sagt er. "Dank unseres Archivs war uns klar, dass wir eine andere Seite mit unseren Modellen zeigen konnten: niedriges Profil, leichtgewichtiger, aber trotzdem ausdrucksstark."
Diese Überlegung führte zu den Releases von 2026. Sie basieren auf derselben Idee: Aus dem Performance-Archiv kann nach wie vor Neues entstehen.

Der Zoom Streak 3 von 2026 knüpft an die Tradition seiner performance-orientierten Vorgängermodelle an. Das neue Mesh-Material ist so zurückhaltend, leicht und atmungsaktiv, dass der Schuh zu jeder Jahreszeit passt.
Genau wie seine Vorgänger ist auch der neue Zoom Streak 3 ein sehr bodennahes Modell mit einem minimalistischen Obermaterial aus Mesh, das fast unsichtbar ist. Das Ergebnis? Weniger ein Sneaker, der nur nach Sportswear aussieht, sondern viel mehr ein Schuh, der für Bewegung gemacht ist. Was er natürlich auch ist und immer war.
Zwischen 2009 und 2013 gewannen mehr Läufer:innen mit dem originalen Zoom Streak 3 große Marathons, als jeder andere Nike Wettkampf-Schuh vor ihm. Ein echter Schuh für den Wettkampftag: Jedes Gramm war sorgfältig durchdacht, und seine Proportionen waren ganz auf Geschwindigkeit ausgelegt.

Der direkte Vergleich: Links ist der originale Zoom Streak 3 und rechts der Release für 2026. Die Aufschrift auf der Innensohle des Originals steht für Performance und die beim neuen Modell für den Sportswear-Charakter.
Das Konzept war so beliebt, dass die Designteams von Nike bei der Entwicklung der Prototypen für den Vaporfly (die Super-Laufschuhe mit Carbonfaserplatte, die den Marathon revolutionierten) die Außensohle des Streak 3 unverändert ließen und stattdessen die Mittelsohle vergrößerten.
Nachdem das ursprüngliche Mesh ausgemustert worden war, suchte das Team von Sweet für die 2026er-Version nach einem neuen Material, das diesem sowohl hinsichtlich des Gewichts als auch der Atmungsaktivität so nahe wie möglich kam. Alles andere orientiert sich am Original. Das Air Zoom-Element im Fersenbereich ist geblieben und jetzt mit weicherem Cushlon 3.0-Schaumstoff sowie einem etwas breiteren Vorfußbereich versehen.

Das Mesh des Zoom Streak 3 von 2026 (links) und das nicht mehr verwendete Mesh des Originals im Detail.
"Wir wollten das Design mit neuen Technologien weiterentwickeln, die jedoch auf urbane Athlet:innen abzielen. Menschen, die den ganzen Tag unterwegs sind. Wir wollten, dass sie sich im Alltag genauso wohl und sicher fühlen wie die Profis auf der Laufbahn", so Cruz.
Er führt weiter aus, dass dieses Gefühl schon beim Design beginnt. "Diese gezackten Linien fühlen sich an wie Geschwindigkeit und stehen auch dafür. Das kann auch einen Nerv treffen, wenn wir uns den aktuellen Style ansehen. Das Design ist reduzierter, aber trotzdem genauso selbstbewusst und ausdrucksstark."

Der direkte Vergleich: Links ist der originale Zoom Streak 3 und rechts die neu interpretierte Sportswear-Version mit denselben gezackten Linien, die laut Designerteam ein Gefühl von Geschwindigkeit vermitteln.
Auch der neue Skylon 11 ähnelt seinem Vorgänger. Die Version von 2026 bleibt seinen Wurzeln treu und sieht aus wie ein Marathon-Schuh: mit Dämpfung, Struktur und dem Profil eines echten Langstreckenlaufschuhs. Aber sobald du hineinschlüpfst – Tragekomfort pur.
Für Mawdsley bedeutete die Verschmelzung dieser beiden Elemente – Ästhetik und Gefühl – , dass ein Gleichgewicht gefunden werden musste. Einerseits sollte das Original respektiert werden und andererseits etwas Neues und Zeitgemäßes entwickelt werden.
"Ich trage die Verantwortung dafür, dass dieser Schuh von seinen bisherigen Käufer:innen wiedererkannt wird, aber auch neue Kund:innen anzieht", erklärt er. "Wir wollen die Menschen würdigen, die am Original gearbeitet haben. Es ist nämlich eine Ehre an einem Schuh zu arbeiten, der von einer Nike Legende entworfen wurde."
Es geht um das Vermächtnis von John Hlavacs, ehemaliger Nike Footwear Designer, der vor mehr als zwei Jahrzehnten am Entwurf gearbeitet hatte. Laut Hlavacs wollten sie damals nicht Hobbyjogger:innen erreichen,
"Unsere Priorität war eindeutig. Uns ging es um Läufer:innen, die mit Herz und Seele dabei waren", erinnert sich Hlavacs. "Der Skylon war unser leichtester, am meisten auf Performance ausgelegte und reaktionsfreudigste Trainingsschuh."
Die Grundlage war Natural Motion Engineering. Dabei geht es vor allem darum, die Bewegung der Füße bei jedem Schritt möglichst genau zu analysieren. Tiefe Flexkerben ermöglichten natürliche Bewegung des Vorfußes und eine Verstärkung beim Fußgewölbe lieferte zusätzliche Stabilität. Air Zoom in Kombination mit einer einzigartigen Stützkonstruktion sorgte für eine hervorragende Reaktionsfreudigkeit bei schnellen Sprints, dämpfte aber auch den Aufprall und war damit ideal für lange Strecken.
So entstand ein Schuh für praktisch jede Herausforderung. Und genau deswegen griffen Profis wie Riley für ihre Läufe auch lange nachdem er nicht mehr im Sortiment war, immer wieder auf ihn zurück.
"Wenn du etwas trägst, das Geschwindigkeit vermittelt, hast du das Gefühl Action zu leben. Geschwindigkeit ist nicht nur schnelle körperliche Bewegung, sondern auch etwas Mentales und Progressives. Genauso gehen Fortschritt und Geschwindigkeit Hand in Hand."
David Mawdsley, Expert Footwear Designer bei Nike Sportswear
Auch Matt Tegenkamp spürte diesen Sog. Er nahm zweimal an großen Wettkämpfen über 5.000 und 10.000 Meter teil und ist heute Lead Innovator bei Nike. Auch während seiner Zeit als Profi-Leichtathlet war er ein großer Fan des Skylon 11. Er war so von der Vielseitigkeit des Trainingsschuhs überzeugt, dass er ihn fast täglich trug.
"Der Skylon 11 erinnerte mich stark an den All-in-one-Charakter eines Schweizer Taschenmessers", erläutert er. "Ich hab damit Kilometer um Kilometer gemacht, Geschwindigkeiten erreicht und Schwellenläufe trainiert. Und er war perfekt für kurze, intensive Bergläufe, Fartlek-Einheiten mit ständigen Tempowechseln und Übungen zur Verbesserung der Lauftechnik."
Diese einzigartige Vielseitigkeit erklärt, warum so viele Profiläufer:innen ihn nicht mehr hergeben wollten und warum Mawdsley unbedingt das Gefühl in die Version für 2026 übertragen wollte.
"Wenn du etwas trägst, das Geschwindigkeit vermittelt, hast du das Gefühl Action zu leben", so Mawdsley. "Geschwindigkeit ist nicht nur schnelle körperliche Bewegung, sondern auch etwas Mentales und Progressives. Genauso gehen Fortschritt und Geschwindigkeit Hand in Hand."

Der direkte Vergleich: Links ist der originale Skylon 11 und rechts die neu interpretierte Sportswear-Version, die dafür entwickelt wurde Geschwindigkeit zu vermitteln und dauerhaften Tragekomfort zu bieten.
"Wenn wir bei unserer Arbeit die Bedürfnisse und Wünsche von Athlet:innen genau im Blick behalten, entwickeln wir mehr als nur ein Produkt. Wir schaffen Gefühle oder Erinnerungen, die zeitlos sind."
John Hlavacs, ehemaliger Nike Footwear Designer
Hlavacs brauchte fast zwei Jahrzehnte, um wirklich zu verstehen, was er gemeinsam mit seinem Team geschaffen hatten. Vor allem, wenn er die Geschichten von Menschen, die an großen und bekannten Wettkämpfen teilgenommen haben, wie Riley und Tegenkamp, erkennt er, wie besonders dieser Schuh war.
"Wenn du etwas Großartiges schaffst, dauert es manchmal Jahre, bis sich deine Arbeit zeigt und ihr Wert zur Geltung kommt. Du merkst nicht direkt, dass du ein Vermächtnis erschaffen hast."
Für Tegenkamp schließt sich heute der Kreis. Die Rückkehr eines Modells, das für seine eigene Karriere entscheidend war, zeigt noch deutlicher, dass er bei seiner Arbeit immer die nächste Generation von Nike Schuhen im Auge behielt.
"Wenn wir bei unserer Arbeit die Bedürfnisse und Wünsche von Athlet:innen genau im Blick behalten, entwickeln wir mehr als nur ein Produkt", sagt er. "Wir schaffen Gefühle oder Erinnerungen, die zeitlos sind."
"Ich freue mich sehr, dass diese Neuauflagen auch eine neue Generation ansprechen. Für mich steht fest: Ein oder zwei Paar hol ich mir selbst."