Fünf Fragen an Nike Running Coach Bennett

  • 7.7.2026
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Wenn du schon mal einen Nike Run Club(NRC)-Lauf eingeschaltet hast, dürfte dir seine Stimme vertraut sein. Er liegt dir in den Ohren, wenn du deine Schuhe anziehst und losläufst, und ist dabei gleichermaßen Coach, Philosoph und Hype-Man. Chris Bennett, oder "Coach B" in der Laufwelt, ist Global Running Head Coach bei Nike und der Mann hinter dem Mikrofon in der NRC App. 

Er ist einer dieser Coaches, die auch nach 5 km noch etwas zu sagen haben. Und er ist derjenige, der dich anspornt, nochmal alles zu geben, wenn du auf halber Strecke aufgeben willst. Bennett ist die Stimme in der weltweit genutzten, kostenlosen Running-App und damit weitbekannt. Seine Mantras sind so weit in der Laufkultur verbreitet, dass sie in unzähligen Reddit-Threads und Social-Media-Posts fortbestehen. "Kämpfen ist nicht Versagen." "Wenn du den Lauf, den du machen willst, nicht machen kannst, mach den Lauf, den du machen kannst." "Wohlwollen ist Hardcore". Derartige Sprüche werden auf Spiegel geschrieben und dienen an harten Tagen als Stütze, auch außerhalb der Laufwelt.

Coach Bennett, die Stimme von Nike Run Club, war Wettkampfläufer an der UNC-Chapel Hill, bevor er Coach für zukünftige Olympionik:innen wurde.

Der Wettkampfläufer Bennett aus New Jersey trat für die UNC-Chapel Hill an, bevor er zukünftige Olympionik:innen nach ihrem College-Abschluss coachte und das erfolgreichste Highschool-Cross-Country-Programm im Nordosten der USA ins Leben rief. Als Nike ihm 2014 vorschlug, Fulltime-Coach zu werden, schrieb er seine gesamte Coaching-Philosophie auf einem Notizblock nieder und überreichte sie Nike. Diese Notizen wurden zu den "NRC Truths" und dem Fundament seiner Arbeit.

Nun hat er diese Philosophie in seinem ersten Buch This Is About Running. This Is Not About Running ausgearbeitet, einem motivierenden Leitfaden, der im Herbst erscheint und bereits jetzt vorbestellt werden kann. Allein der Titel verrät alles über Coach B – auch wenn man ihn nicht kennt. Doch damit nicht genug. Im Rahmen der Nike After Dark Tour 2026 sind ab dem 7. Juli einen Monat lang Gespräche mit Frauen aus aller Welt in seinem beliebten Podcast zu hören. Coach B überlässt das Mikro Elite-Athlet:innen und Laufeinsteigerinnen, die neue Maßstäbe setzen und das Mögliche neu definieren. 

Weiter unten spricht er über die Gründe, die ihn zum Laufen gebracht haben, was er über den Sport denkt und warum sein Job, so wie er ihn sieht, niemals zu Ende ist.

High Fives oder Ansporn: Bennett, aka "Coach B", ist immer am Rand der Wettkampfstrecke zu sehen. Einige der Athlet:innen haben kleine Geschenke oder Dankeskarten dabei, die sie ihm im Vorbeilaufen übergeben.

"Meine Philosophie lautet: Wenn du laufen gehst, sollte es um mehr als ums Laufen gehen. Ich denke, das ist auch der Grund, warum seit Jahren eine enge Connection mit den Hörer:innen besteht."

Coach Bennett, Nike Global Running Head Coach


Wie bist du in diese Sparte gelangt und was hat dich bis hierher gebracht?

Im Grunde bin ich mein ganzes Leben lang gelaufen. Ich war das vierte von fünf Kindern, da musste ich mich schon anstrengen, wenn ich mit meinen älteren Geschwistern mithalten wollte. Das war meine erste Inspiration fürs Laufen.

Ich bin in New Jersey aufgewachsen. Dort besteht eine große Cross-Country- und Leichtathletiktradition für Jugendliche. Das machte man einfach. Für mich begann das Laufen als Teamsport, und das war glaube ich ausschlaggebend. Dabei fand ich Laufen anfangs gar nicht so toll – was ich toll fand war, Teammitglieder zu haben. Und das war das Bindeglied: Ich habe den Sport ausprobiert und mich ihm dadurch verschrieben. Ich war unglaublich faul. Bis ich kapierte, dass meine Faulheit dem Rest des Teams schadete. Das hat mich letztlich dazu gebracht, regelmäßig und auf intelligente Weise zu trainieren. Es ging nicht um mich, es ging darum, dass ich mein Team nicht hängenließ.

Ich lief für das Nike Farm Team, ein postgraduales Olympic Development Team an der Stanford University. Dort war mein erster Coach Jeff Johnson – der erste Nike Mitarbeiter und bis heute ein enger Freund. Fünf Jahre lief ich für das Team. Ich habe gar nicht versucht, ins olympische Team zu kommen, ich nahm nur an den Trials teil. Aber ich habe mit Leuten trainiert, die in das Team wollten. Das war eine echt unglaubliche Erfahrung.

Ich hatte bereits in der Highschool entschieden, dass ich coachen und lehren wollte. Als mich Nike schließlich ansprach und fragte, was ich als Coach von Läufer:innen, die sich in den Nike Stores in New York City trafen, tun würde, habe ich einen Wochenplan ausgearbeitet, der dem von Spitzenathlet:innen ähnelte. Und so coache ich. Nur weil es keine Elite-Athlet:innen sind, heißt das nicht, dass ich sie nicht wie solche behandeln sollte. Warum sollten manche Leute weniger trainieren, nur weil sie langsamer sind?

Zu den berühmtesten Mantras von Coach B gehören "Kämpfen ist nicht Versagen" und "Wohlwollen ist Hardcore".

Was kannst du uns zu den Geführten Läufen sagen? Zum Beispiel über das Format und deinen besonderen Ansatz, der diese Art von Connection hervorbringt?

Reines Audioformat hat den Vorteil, dass nur einer der Sinne angesprochen wird. Und ich glaube, das ist super mitreißend. Die Leute konzentrieren sich besser auf das, was du sagst. Bei einem Video achtet man auf die Gesten, man guckt sich den Hintergrund an und driftet in Gedanken ab. Nur Sound hingegen sorgt dafür, dass man aufmerksamer ist. Was ich sage, muss also ehrlich sein. Denn wenn man hyperfokussiert ist, reagiert auch der BS-Detektor schneller. 

Für die ersten Geführten Läufe hatte ich deshalb ein paar Regeln. Eine war, dass sie ungefiltert sein sollten. Niemand sollte zwischen mir und dem Läufer bzw. der Läuferin stehen. Ich bin immer bei meiner Prämisse geblieben, dass wenn ich da einsteige, alles absolut menschlich bleiben soll. Es sollte nicht wie andere geführte Läufe sein. Es sollte in der Coaching-Philosophie verankert sein, die ich vertrete, nämlich dass Wohlwollen Hardcore ist, und dass es für Athlet:innen am einfachsten ist, Grenzen zu überwinden und Hürden zu nehmen, wenn sie bei dem Versuch, dies zu tun, unterstützt werden. Ich würde sie nicht anlügen. Ich möchte, dass sie ihr eigener Coach werden. Mit jedem Geführten Lauf möchte ich, dass sie mich weniger brauchen. Ich möchte, dass sie Eigenverantwortung übernehmen. Die letzte Entscheidung liegt bei ihnen, wenn ich ihnen sage, was sie tun sollen. 

Zwischen den Leuten und mir entsteht eine Beziehung. Viele hab ich nie getroffen. Aber wir haben einiges durchgestanden. Wenn ich sie dann schließlich treffe, ist es oft sehr emotional. Diese Connection ist super wichtig. Wir leben in einer Welt, in der echte Verbindungen immer seltener werden. Angesichts des digitalen Formats, bei dem wir uns nicht persönlich sehen, wollte ich sichergehen, dass es so menschlich wie möglich wird. Das bedeutet aber auch, dass ich wie bei jeder zwischenmenschlichen Begegnung schwafel. Ich komme vom Thema ab. Oder mache schlechte Witze. Es gibt Läufe, die heißen "It’s Okay 5K" oder "Struggle Run", "Tough Day, Easy Run" oder auch "Thank You Run". 

Meine Philosophie lautet: Wenn du laufen gehst, sollte es um mehr als ums Laufen gehen. Ich denke, das ist auch der Grund, warum seit Jahren eine enge Connection mit den Hörer:innen besteht.


Man sagt oft von dir, dass du die Leute davon überzeugen kannst, dass sie eine Läuferin bzw. ein Läufer sind, bevor sie überhaupt einen Lauf gemacht haben. Woher kommt das?

Nun, das ist tatsächlich meine Überzeugung. Und das ist hilfreich. Ich denke aber auch, dass es letztlich die Erkenntnis ist, dass Coaches nichts erschaffen. Coaches bringen die Dinge lediglich ans Licht. Wenn man das verstanden hat, wird der Job um einiges leichter. Ich muss keine Läufer:innen erschaffen. Ich muss die Leute nur davon überzeugen, dass sie Dinge erreichen können, von denen sie nicht glauben, dass sie es können. 

Ich lege die Latte extra niedrig. Ich sage z. B. nie "Ich kann dich dazu bringen, einen Marathon zu laufen." Ich sage vielmehr "Ich kann dich dazu bringen, von hier bis zum Ende der Straße zu laufen." Vielleicht meinst du, das zählt nicht als Lauf. Mein Job ist es, dich davon zu überzeugen, dass es sehr wohl zählt. Dann ist der Moment, in dem dir bewusst wird, dass es als Lauf zählt, ein Erfolgserlebnis. Als Nächstes denkst du unweigerlich, Ich hätte noch etwas weiter laufen können. Und ich hätte etwas schneller laufen können. Das schaffe ich beim nächsten Mal wieder. Und so fängt alles an.

Coach B feuert Läufer:innen beim Chicago Marathon 2025 an der Startlinie an.

"Das war diese Alles-oder-nichts-Mentalität. Aber zwischen alles und nichts ist Platz für so viel mehr."

Coach Bennett, Nike Global Running Head Coach


Einer deiner bekanntesten Sprüche lautet: "Wenn du den Lauf, den du machen willst, nicht machen kannst, mach den Lauf, den du machen kannst." Was meinst du damit?

Als Läufer hatte ich die Angewohnheit, Läufe zum Teil auf später am Tag zu verschieben. Und dann wurde es spät und ich hatte nicht mehr genug Zeit, so lange zu laufen, wie ich ursprünglich vorhatte. Dann habe ich mich selbst davon überzeugt, dass es keinen Sinn macht loszulaufen, wenn ich den ganzen Lauf eh nicht schaffen würde. 

Das war diese Alles-oder-nichts-Mentalität. Aber zwischen alles und nichts ist Platz für so viel mehr. Wenn du 20 Minuten Zeit hast, ist das alles, was du hast. Wenn du also 20 Minuten lang läufst, gibst du 100 % von dem, was du hast. Wie kannst du dich da selbst kleinmachen, obwohl du doch 100 % von dem gegeben hast, was möglich war?

Dieser Ansatz endete schließlich in einem Geführten Lauf. Damals arbeitete ich mit Michael Orenstein, ehemaliger Head of Product von NRC und einer der Typen, die schon früh bei der Ausarbeitung der Läufe halfen. Er wollte zu einem Töpferkurs und sagte: "Ich schaffe es heute nicht zu laufen, ich habe keine Zeit." Ich fragte ihn: "Wann ist denn der Kurs?" Er meinte, in 35 Minuten mit einer Fahrtzeit von 20 Minuten. Also sagte ich:" Warum gehst du nicht fünf Minuten laufen?" Ich erinnere mich,dass er meinte: "Fünf Minuten? Das ist doch kein richtiger Lauf." Woraufhin ich erwiderte: "Ein 5-Minuten-Lauf ist der einzige Lauf, den du machen kannst."

Damit war der "Five-Minute Run" geboren. Ich spielte ihn ein, fügte diese Zeile hinzu, und es schlug voll ein. Das ist jetzt etwa sieben Jahre her. Seitdem ist der Spruch zu einem meiner meist zitierten Sprüche geworden.

Ab dem 7. Juli sind im Rahmen der Nike After Dark Tour 2026 in Chris Bennetts beliebtem Podcast einen Monat lang Gespräche mit Frauen zu hören, die in den teilnehmenden Städten auf der ganzen Welt an den Läufen des Events teilnehmen.

Demnächst erscheint dein Buch This Is About Running. This Is Not About Running. Kannst du uns von dem Buch erzählen und den Titel genauer erläutern?

Das ist so ein Spruch, den ich wahrscheinlich nebenbei gesagt habe, der aber irgendwie hängen geblieben ist. Wahrscheinlich habe ich auf etwas hingewiesen, bei dem es scheinbar ums Laufen ging, aber eigentlich ein größeres Thema gemeint ist. Das stammt aus der Zeit, in der ich Kinder gecoacht habe. Ich musste dafür sorgen, dass die 90 Minuten, die ich jeden Tag mit ihnen verbrachte, etwas bewirkten. Ich wollte ihnen die Möglichkeit geben, etwas übers und fürs Leben zu lernen. Wenn sie nur gelernt hätten, weiter und schneller zu laufen, hätte es sich für mich so angefühlt, als hätte ich als Coach versagt. 

Ich wollte ihnen Stärken und Gewohnheiten vermitteln, die ihnen auch später im Leben nützlich sein könnten. Wie geht man mit Ängsten um, wie führt man gute Beziehungen, wie überwindet man Probleme, wie geht man an seine Grenzen und wie unterstützt man Teammitglieder und andere Menschen – das alles ist auch beim Training Thema. Bei den Athlet:innen und Studierenden muss ankommen, dass diese Dinge auch im Leben hilfreich sind. Sie beschränken sich nicht aufs Training. Daraus können sie etwas machen.

"This Is About Running. This Is Not About Running." ist seit 18 Jahren Grundlage meines Coachings. Und das wird in dem Buch deutlich. Egal ob Laufanfänger:innen oder langjährige Läufer:innen – am Ende des Buchs sind alle bessere Läufer:innen. Und wenn du in deinem Leben noch niemals gelaufen bist, wirst du ein besserer Mensch sein. Auch wenn du danach nicht unbedingt mit dem Laufen anfängst.

Egal, woher du stammst, ob du gerade Teenagerprobleme hast, eine Trennung durchlebst, für einen Marathon trainierst oder eine andere Herausforderung zu meistern hast: Dieses Buch ist für dich geschrieben. Hier geht es ums Laufen. Und um viel mehr als das.

Coach Bennetts erstes Buch, ein motivierender Leitfaden mit dem Titel "This Is About Running. This Is Not About Running." kann bereits jetzt vorbestellt werden.

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